Spielberichte
20.01.08 Mobulu Futsal UNI Bern - NK Tomislavgrad Bern
Vor dem Heimspiel gegen den Stadtrivalen war im Mobulu- Lager in mehrfacher Hinsicht für Spannung gesorgt. Im Vordergrund stand natürlich die Frage, ob - und wenn ja auf welchem Rang - man sich für die Playoffs qualifizieren würde. Die Ausgangslage vor dem letzten Spiel der Regular Season war dabei ganz gut. Experten von sportwetten.com errechneten bei der Festlegung ihrer Wettquote denn auch eine Wahrscheinlichkeit von 84%. Damit der Druck vor heimischer Kulisse nicht zu gross sein würde, hofften die meisten Mobulus beim ersten Spiel des Tages auf einen Sieg von Tabellenführer Bulle. Nur ganz Verwegene unterstützten den direkten Konkurrenten Lausanne. Nach wenigen Minuten war die Sache jedoch bereits so gut wie gegessen: Bulle bekundete im Gegensatz zum letztjährigen Aufeinandertreffen keinerlei Mühe mit dem Gegner und dominierte das Geschehen von Beginn weg. Damit stand die Qualifikation bereits vor dem eigentlichen Höhepunkt des Tages fest. Nun konnte man gespannt sein, wieviele Zuschauer den Weg in die Unisporthalle finden würden. An der Beschriftung hätte es jedenfalls nicht liegen können. Assistenztrainer Dave Schneeberger hatte sich mächtig ins Zeug gelegt. Vermutlich hatte er im Hinterkopf, dass der eine oder andere Walliser Fan seinen Kanton vorher noch nie verlassen hatte... Schlussendlich wurden die Erwartungen auf alle Fälle übertroffen: 200 Zuschauer wollten sich das Spiel ansehen. Sogar aus Lichtenstein waren sie angereist, allerdings stand da Futsal wohl nicht an erster Stelle...
Mobulu startete trotz der Gewissheit, auch verlieren zu dürfen, nervös ins Spiel. In den Anfangsminuten konnten einige vielversprechende Situationen aufgrund fehlerhafter Zuspiele nicht in Tore umgemünzt werden. Sogar unseren Routiniers schien der Fuss zu zittern. Chancen ergaben sich, insbesondere mittels Gegenstössen, hüben wie drüben. Der Führungstreffer gelang jedoch zur Freude des Publikums dem Heimteam. Felipe Gomes Dos Santos bezwang in der 12. Minute zum ersten Mal den gegnerischen Torwart. Gemäss Analyse von SF - Experte Florian Schmid entsprach das Zwischenresultat von 1:0 jedoch nicht ganz dem Spielverlauf. Die Antwort der Gäste liess nicht lange auf sich warten. Nach einem schlecht vorgetragenen Mobulu - Angriff ergab sich eine Ueberzahlsituation für Tomislavgrad, welche sogleich zum Ausgleich führte. Doch es kam noch schlimmer: kurz vor der Pause gelang dem Auswärtsteam sogar das 1:2.
In der zweiten Halbzeit wollte man weniger hektisch agieren und den Gegner früher unter Druck setzen. Zu Beginn hatte Mobulu mit dieser Taktik wenig Erfolg, zumindest was das Resultat anbetrifft. In der 25. Minute erhöhte der Stadtrivale auf 1:3. Das Team von Kaspar Burkhalter benötigte einen Moment, um sich von diesem Schock zu erholen. Mobulu attackierte den Gegner nun aber bereits in dessen eigener Platzhälfte, so dass vielfach Befreiungsschläge die Folge waren. In der 32. Minute gelang sodann endlich der Anschlusstreffer: Mike Imesch verwertete einen auf den zweiten Pfosten geschlagenen Pass von Hannes Burhalter. Wenig später entschied das Schiedsrichterduo aufgrund eines Tacklings auf Freistoss an der Strafraumgrenze für das Heimteam. Niemand geringeres als Spieler Heri setzte sich den Ball. Die meisten erwarteten wohl einen Pass, doch der Schütze nagelte das Leder direkt in den Winkel. Die Unisporthalle bebte. Der Spielstand blieb jedoch nicht lange ausgeglichen. Dem gegnerischen Pivot wurde vor dem eigenen Tor zu viel Raum gewährt, um den Ball zu kontrollieren und ihn seinem Mispieler zuzupassen, so dass dieser mittels Volley Torhüter Mitch Felber zur neuerlichen Führung bezwingen konnte. Letztgenannter musste dann kurz vor Schluss Matthias Bernhard Platz machen, um den Druck auf das Tor von Tomislavgrad nochmals erhöhen zu können. Roger Probst scheiterte in der Folge zweimal aus aussichtsreicher Position am Pfosten. Ein Raunen ging durch's weite Rund, gefolgt von Mo-bu-lu, Mo-bu-lu, Mo-bu-lu Anfeuerungen. Zur Freude der Zuschauer gelang Roger Probst auf Pass von Mike Imesch schliesslich doch noch der Ausgleich. Beide Teams hatten wenige Sekunden vor dem Abpfiff die Chance, das Spiel noch für sich zu entscheiden, doch es blieb beim verdienten Unentschieden. Die anschliessende Welle mit dem Publikum verursachte wohl bei jedem Spieler eine Gänsehaut. Besten Dank auch an dieser Stelle für die grossartige Unterstützung! Die Atmosphäre war einfach phänomenal.
Matchtelegramm
Unisporthalle Bern Neufeld. - 200 Zuschauer.
Tore: 12. Gomes Dos Santos 1:0, 1:1, 1:2; 1:3, 32. Imesch (H. Burkhalter) 2:3, 35. Heri 3:3, 3:4, 38. Probst (Imesch) 4:4
Mobulu Futsal UNI Bern: Felber; J.Tschan, Imesch; Kälin, Probst, Gomes Dos Santos, Bernhard; H. Burkhalter, Heri.
13.1.08 Uni Futsal Team Bulle - Mobulu Futsal UNI Bern
Und am Ende ward es still. Auf der rund zweistündigen Heimreise übertönte eine Schnarch-Kakaphonie die wenigen wenig-philosophischen Gespräche im Mobulu-Bus. Zu gross war die Enttäuschung nach der 3:9-Schlappe gegen Schweizermeister Bulle. Und dabei hatte alles so gut begonnen. Die Suchaktion nach der Halle verlief erfolgreich und vor allem in einem einigermassen akzeptablen Zeitrahmen – ein Hoch auf Google Earth und den Mann mit dem Leuchtstock. Und auch das Spiel begann ganz im Sinne der Mobulesen: Bereits nach 41 Sekunden konnte Christoph „Bumbum“ Kälin die einstudierte Corner-Variante via Hannes Burkhalter und Roger Probst mit einem Ablenker abschliessen. Wermutstropfen am Führungstor: Ronny Giger verletzte sich in der Aktion, welche zum Corner führte. Er konnte fortan nicht mehr eingesetzt werden.
Bulle übernahm in der Folge das Spieldiktat, Mobulu blieb aber bei den gelegentlichen Kontern gefährlich. So lancierte Probst in der 5. Minute Felipe Gomes Dos Santos – kurz: Felipe -, der den Torhüter erneut bezwang. Trotzdem kehrte in den Reihen der Mobulu-Akteure keine Ruhe ein. Viele Ballverluste, provoziert durch das aufsässige Pressing, prägten das Spiel. Bulle seinerseits kam zu vielen Abschlüssen, meist aber nur aus der zweiten Reihe, denen Mobulu-Fänger Alexander Lötscher aber den Eintritt ins Gehäuse verwehrte. Erst ein unglücklicher Treffer nach einem Eckball brachte Bulle auch resultatmässig ins Spiel zurück. Kurz darauf hatte Hannes Burkhalter einen Energieanfall, spielte die Bulle-Abwehr schwindlig und schlenzte zum 3:1. Nur Minuten vorher hatte er fahrlässig den dritten Treffer vergeben. „Puh, jetzt kann ich wieder ruhig schlafen“, war sein lapidarer Kommentar nach seinem Tor. Daraufhin verteidigte Mobulu einigermassen geschickt den Vorsprung, eine Unachtsamkeit führte dann vor der Pause doch noch zum 3:2. Lötscher war beim Schuss aus sieben Metern die Sicht verdeckt. Anstatt mit einem Hammer in den Netzhimmel schloss Kälin mit der Pausensirene einen sehenswerten Konter über Michael Marc Imesch und Probst mit einem Luftloch ab.
Die Geschehnisse in der zweiten Halbzeit sind schnell erzählt. Nach zwei individuellen Fehlern ging Bulle 3:4 in Führung. Mobulu gestaltete das Spielgeschehen nun ausgeglichener und hatte Chancen zum Ausgleich, doch Unvermögen und der Goalie der Romands verhinderten weitere Endorphin-Ausschüttungen auf Berner Seite. Als schliesslich auch noch Julian Burkhalter nicht mehr eingesetzt werden konnte, schwanden zusehends die Kräfte. Ein krasser Fehlentscheid des welschen Schiedsrichters, der einen Ball hinter der Linie gesehen haben wollte (Kommentar Lötscher: „Das ist ein Skandal!“), brach Mobulu schliesslich das Genick. Schweizermeister Bulle verwaltete in der Schlussphase den Vorsprung souverän und netzte noch drei Mal ins leere Tor, als die Mobulu-Übungsleiter Kaspar Burkhalter und Dave Schneeberger Keeper Lötscher durch einen fünften Feldspieler ersetzten und partout nicht mehr von ihrer Strategie abweichen wollten. Und so kam es, dass die Heimfahrt still und leise erfolgte. Doch damit ist das Mobulu-Buch noch nicht zugeklappt, können sich die Berner am Sonntag, 20. Januar (Neufeld, 15 Uhr) vor eigenem Anhang immer noch für die Playoffs qualifizieren.
Matchtelegramm
Genf. - 20 Zuschauer.
Tore: 1. (0:41) Kälin (Probst) 0:1, 5. Gomes Dos Santos (Probst) 0:2, 1:2. 14. H. Burkhalter 1:3, 2:3; 3:3, 4:3, 5:3, 6:3, 7:3, 8:3, 9:3.
Mobulu Futsal UNI Bern: Lötscher (ab 34. Felber); J.Tschan, Imesch; Kälin, Probst, Gomes Dos Santos, Giger(bis 1.); H. Burkhalter, J. Burkhalter(bis 30.).
6.1.08 FC Peseux Comète - Mobulu Futsal UNI Bern
Mobulu stand beim drittletzten Gruppenspiel vor einer schwierigen Aufgabe. Gegen Peseux musste unbedingt der erste Dreier eingefahren werden. Der Tabellenletzte Peseux wäre mit einem Sieg wieder voll in den Kampf um die Playoffplätze zurückgekehrt. Zudem konnten die Neuenburger ihr Heimspiel in der Höhenluft von Le Locle austragen. Einige Mobulesen prahlten zwar mit den absolvierten Waldlaufkilometern in der trainingsfreien Zeit über die Fress- und Sauftage. Andere waren hingegen schon froh, den Magen soweit stabilisiert zu haben, um die kurvenreiche Anfahrt zu überstehen.
Der Sieg von Cosmos Genf gegen Uni Bulle am gleichen Spieltag sollte der Mannschaft laut dem Trainerduo K. Burkhalter / Schneeberger den letzten Motivationsschub verleihen. Vielleicht war der aufgesetzte Druck doch etwas zu gross. Schon nach wenigen Sekunden stolperte der linke Flügel. Der Spieler von Péseux hatte noch Zeit sich mit einem angedeuteten Knicks für die Einladung zu bedanken, zog alleine auf Torhüter Felber los und versenkte eiskalt in die lange Ecke zum 1:0.
Die Verunsicherung konnte sich dank der Sternsekunde von Spieler Heri nicht lange festsetzen. Bei seinem Comeback nach einer Verletzung kannte Heri die Cornervarianten nur in der Theorie. Zudem hatte er - gemäss eigenen Angaben - eineinhalb Monate keinen Ball mehr getroffen. Heri traf auch die Hereingabe von Probst nicht wunschgemäss, trotzdem wurde der erste Treffer von Mobulu nach einem einstudierten Standard Tatsache. 1:1. Alle Kritiker der Taktiktafel werden wohl für einige Zeit verstummen.
Trotz des Ausgleichs schlug nun die fehlende Spielpraxis durch. Über weite Teile der ersten Halbzeit lebte Peseux von den Fehlern der Mobulesen. Nach Fehlpässen wurden abermals die flinken Peseux-Flügel eingesetzt, die allerdings Mal für Mal am starken Felber scheiterten. Nachdem der Gegner im Abschluss glücklos agierte, kam in der Verteidigung auch noch Pech dazu. Nach Pass von Heri verzog Kälin seinen Schuss, der jedoch abgelenkt wurde und so den Weg ins Tor fand. 1:2.
In der Mobuluverteidigung fehlte weiterhin die Konsequenz. Der gegnerische Pivot lief zwischen zwei Mobulesen durch und traf den Pfosten. Der Angreifer liess nicht locker, lief den Torhüter um, tankte sich weiter durch und konnte zum 2:2 einschiessen. Mobulu hatte vor der Halbzeit noch einen Lattentreffer von Kälin zu beklagen. Insgesamt konnte man mit dem Unentschieden zur Pause jedoch zufrieden sein. Goalie Felber hatte die Mannschaft im Spiel gehalten und forderte von seinem Nachfolger Lötscher für die zweite Halbzeit weniger Zurückhaltung beim Zurechtweisen der Vorderleute.
Die Trainer fanden in der Pause die richtigen Worte. Mobulu war spürbar heiss auf die zweite Halbzeit. Das minutenlange Warten bis der Gegner auf dem Platz erschien, kühlte die Motoren vielleicht etwas herunter. Jedenfalls hätte das Spiel anders verlaufen können, wenn der Pivot von Péseux nicht aus kurzer Distanz an Lötscher gescheitert wäre. Diese Parade war das Signal zum Angriff. Peseux wurde von der ballsicher agierenden Offensive überrollt. H. Burkhalter traf zum 2:3 nach Pass von J. Tschan. Kurze Zeit später profitierte Kälin von einer Gomes-Vorlage und erzielte das 2:4. Nach einem Handspiel des Goalies, kam Mobulu zu einem Freistoss am 6-Meter Kreis. Probst liess sich durch die verzweifelten „indirekt, indirekt“-Rufe von der eigenen Bank nicht irritieren und hämmerte den Ball ins Netz. Der Schiedsrichter hatte richtigerweise einen direkten Freistoss signalisiert, Mobulu führte 2:5.
Auch ein Time Out und ein Wechsel auf der Torhüterposition von Peseux konnten den Spielverlauf nicht drehen. Nach herrlichem Doppelpass mit Probst, der den Ball blind mit der Fusssohle ablegte, musste H. Burkhalter nur noch einschieben. 2:6. Mobulu beschränkte sich nun auf das Verteidigen. Heri testete mit einem Ablenker die Konzentration von Goalie Lötscher, mit Glück konnte dieser den Ball an den Pfosten lenken.
Unnötigerweise kam die Spannung ins Spiel zurück. Nach zwei langen Bällen in die Spitze und gewonnenen Laufduellen verkürzte Peseux mit je einem Schuss in die kurze und in die lange Ecke auf 4:6. Inbrünstig hatte der Mobulu-Coach im Time Out mit den Worten „Wir können uns nur noch selber schlagen!“ auf die Gefahr von Fouls und die daraus folgenden 10-Meter aufmerksam gemacht. Anscheinend hatten einige Mobulus noch nicht genügend Gelegenheit ihre masochistischen Triebe auszuleben. Anders kann man es nicht erklären, dass drei Fouls tief in der gegnerischen Platzhälfte zum ersten 10-Meter führten. Wenig fehlte und der Schütze hätte Lötscher zwischen den Beinen erwischt, wieder half der Pfosten. Beim zweiten 10-Meter (nach einem weiteren unnötigen Foul) verfehlte der Schuss das Tor. Nach dem sechsten Foul von Peseux wurde lautstark der Name von „Eisenfuss“ Kälin skandiert, der die Entscheidung aus 10 Metern aber verpasste. Mobulu brachte den Vorsprung über die Runden und bleibt – abgesehen von der Zwischenrunde – weiterhin ungeschlagen!
Matchtelegramm
Le Locle. - 30 Zuschauer.
Tore: 1:0, Heri (Probst) 1:1, Eigentor (Kälin) 1:2, 2:2; H. Burkhalter (J.Tschan) 2:3, Kälin (Gomes Dos Santos) 2:4, Probst 2:5, H. Burkhalter (Probst) 2:6, 3:6, 4:6.
Mobulu Futsal UNI Bern: Felber (ab 21. Lötscher); J.Tschan, Imesch; Kälin, Probst, Gomes Dos Santos, Graf; H. Burkhalter, Heri.
25.11.07 Futsal Club Cosmos Genève - Mobulu Futsal UNI Bern
Einen Menschenauflauf wie denjenigen am vergangenen Sonntag vor der Mobuluzentrale Beck-Glatz Länggasse hatte Bern seit dem SVP-Spaziergang im September nicht mehr gesehen. Rund fünfzehn – meist schwarz gekleidete – Gestalten versammelten sich um 10.30 Uhr vor der Bäckerei mit den leckeren Mändelbärli. Der beeindruckend zahlreichen Mobulu-Entourage ging es allerdings nicht darum übergrosse Milchkannen umzuschmeissen und fahrende Würstchenstände in Brand zu setzten. Nein, drei Punkte gegen das subjektiv zu favorisierende Cosmos Genf waren an diesem kühlen aber schneefreien Sonntag das Ziel der Berner.
Für einmal kam der Schlüssel ohne weitere Umstände aus dem Kasten und der Teambus sprang zum Erstaunen aller bereits beim ersten Versuch an. Mit acht Feldspielern, zwei Torhütern, zwei Rekonvaleszenten und dem neuen Physio Franco Polesana im Gepäck, machten sich die beiden neuen Mobulu-Coaches Kaspar Burkhalter und Dave Schneeberger auf in Richtung Lausanne – rue des abeilles.
In der Halle angekommen stieg die Vorfreude bei jedem Einzelnen und wich langsam aber sicher einer deutlich spürbaren Anspannung. Aufgrund der schlechten Vorbereitung und der enttäuschenden Resultate in den beiden Testspielen gegen Tomislavgrad und Lausanne, prognostizierte die Berner Boulevardpresse Mobulu einen schweren Stand gegen das als Geheimfavorit geltende Cosmos. Sämtliche Unsicherheiten, Handicaps und Ängste waren verflogen und vergessen, als Mobulu in den ersten Spielminuten loslegte wie die Miliz-Feuerwehr Laupen unter Ehrenkommandant Fritz Ryf. Mulinho und Julian Burkhalter brachten die Genfer Defensive bereits früh in arge Bedrängnis und Routinier Chrischi Kaelin hämmerte eine Freistossvorlage aus dem Lehrbuch an die Lattenunterkante. Nach einem weiteren rasant vorgetragenen Berner Angriff riskierte der gut gebaute Genfer Schlussmann Kopf und Kragen und brachte in letzter Sekunde seinen Fuss zwischen den Ball und das Bein des heranbrausenden Berners. Er verhinderte so zwar den sicher geglaubten Berner Führungstreffer, bezahlte seine Rettungsaktion allerdings mit einer Verletzung. Nach dem Torhüterwechsel schien die Verunsicherung bei den Genfern parallel zur Überlegenheit Mobulus anzuwachsen. Die spärlichen Konterangriffe wurden allesamt eine Beute für den sicheren Berner Torhüter Alex Lötscher. Offenbar haben die von Jonas Tschan unzählig vorgetragenen „Alex-Lötscher-Lieder“ ihre Wirkung nicht verfehlt: Der Mobulu-Schlussmann zeigte an diesem Sonntag eine beeindruckende Leistung.
Nach zehn Minuten war es soweit, Julian Burkhalter brachte Mobulu Futsal UNI Bern mit einem klugen Flachschuss mit 1:0 in Führung. Die zahlreich mitgereisten Mobulu-Anhänger schwenkten ihre bunt-bemalten Fahnen und liessen den Lärmpegel in der gut besetzten Halle ins Unermessliche steigen. In der Folge vergaben die in weiss gekleideten Akteure aus Bern weitere Chancen, bis die Konzentration – und damit die solide Defensivleistung – aus unbekannten Gründen kontinuierlich nachliess. Die spielintelligenten Genfer nutzten die diversen Unsicherheiten aus und kamen so zu einigen guten Abschlussversuchen. Dank eines starken Torwarts und etwas Wettkampfglück konnte Mobulu den Pausentee mit einer knappen aber insgesamt verdienten 1:0-Führung im Rücken zu sich nehmen.
Nach Wiederaufnahme des Spiels wurden die Nerven – insbesondere der zum Zuschauen verdonnerten – arg strapaziert. Cosmos hatte dank der Berner Schwächephase vor der Pausensirene ins Spiel gefunden und war nun mehrheitlich in Ballbesitz. Mit schnellen Pässen auf ihren starken Pivot brachten die wirbligen Genfer das Gehäuse von Alex Lötscher immer wieder ernsthaft in Gefahr. Durch die offensive Spielweise des Gegners eröffneten sich für Mobulu aber auch immer wieder gute Konterchancen. Nach dreissig Spielminuten nutzte Mulinho eine davon und erhöhte auf 2:0. Der Jubel der Berner war grenzenlos. Hannes B. – er sollte am darauffolgenden Montag Morgen mit heiserer Stimme erwachen – hielt in seiner Euphorie Ausschau nach schönen Lausannerinnen, die beiden Coaches lagen sich in den Armen und Physio Franco Polesana zückte seine berühmt-berüchtigte Luftgitarre.
Schön.
Der Jubel der Berner hielt ganze zwei Minuten an. Danach glichen die nun wütend nach vorne stürmenden Genfer den Spielstand innerhalb von dreissig Sekunden aus. Dabei waren die beiden Tore identisch: Einem langen Pass tief in den Slot folgte ein energischer Abschluss. Hannes B. traute seinen Augen nicht, die Coaches versuchten die mit hängendem Kopf vom Spielfeld zurücktrabenden Mobulu-Spieler wieder aufzumuntern und Francos Luftgitarre verpuffte von einer Sekunde auf die Nächste zu einer Mischung aus Ungläubigkeit und Wut, welche die vorangegangenen Szenen mit sich brachten.
Wegen eines Stellungsfehlers in der Berner Mauer kamen die Cosmos-Kicker kurze Zeit später sogar zum 3:2. Nach dem Rückstand ging ein Ruck durch die Berner und sie begannen ihr Wohl wieder vermehrt in der Offensive zu suchen. Die während der ersten dreissig Minuten gezeigte Souveränität war allerdings verschwunden. Es entwickelte sich während der letzten vier Spielminuten ein offener Schlagabtausch mit turbulenten Torszenen hüben wie drüben. Jonas Tschan wollte seinem Keeper wohl unbedingt die Gelegenheit geben sich eine grosse Harasse kühles Bier zu verdienen. Mit einem kühnen Dribbling inklusive Ballverlust lancierte der sonst so zuverlässige Berner Verteidiger einen Genfer Angreifer, der nun alleine auf den Schlussmann losziehen konnte. Mit einem bemerkenswerten Reflex sicherte sich der Berner Torwart die Kiste Bier und machte dem Verursacher sogleich verständlich, dass er Calanda bevorzuge. Die Anzahl Aluminiumtreffer strebte bereits gegen Unendlich, als sich der an der Seitenlinie wild umhertigernde Mobulu-Headcoach Burkhalter (seine Bewegungen hätten wohl jedem Orthopäden Zornesröte ins Gesicht getrieben) entschied den Torhüter durch einen fünften Felspieler zu ersetzen. Der Berner Anhang, welcher die Transparente und Fahnen bereits eingerollt und unter den Sitzen verstaut hatte, hielt den Atem an als zwei Genfer alleine in Richtung des verlassenen Berner Tores stürmten. Laute „Chrischi-Kaelin“-Rufe waren aber zu hören, als sich dieser todesmutig in den Schuss warf und den, vor Wut und Entrüstung über die vergebene Grosschance aufschnaubenden, Angreifer entscheidend bedrängte. Auf der anderen Seite waren es Röschu Probst und Jonas Tschan, welche beste Ausgleichschancen ausliessen. Knapp eine Minute vor Spielschluss gelang Mulinho auf Zuspiel des fliegenden Torhüters Julian Burkhalter der Ausgleich. Der Jubel war kurz aber heftig – schliesslich standen noch 70 turbulente Sekunden bevor. Eine halbe Minute vor Ende beging Mulinho in der Offensivzone das sechste Foulspiel der Berner, was einen 10-Meter-Freistoss (ohne Mauer) zur Folge hatte. Die heftigen Proteste vom mit den Krücken in Richtung Zeitnehmertisch humpelnden Kaspar Burkhalter nützten allesamt nichts, der Schiedsrichter zeigte erbarmungslos auf den 10-Meter-Punkt. Die Spannung war kaum mehr auszuhalten und einige Akteure verliessen vor der Ausführung des 10-Meters sogar die Halle. Es passte zum Spiel, dass auch dieser Schuss eine Beute von Alex Lötscher wurde. Er hat sich seine Harasse Calanda verdient und wurde nach der gezeigten Leistung zurecht vom Anhang mit „Alex-Lötscher-Gesängen“ gefeiert.
Matchtelegramm
Grand Vennes, Lausanne. - 40 Zuschauer.
Tore: 10. J.Burkhalter (Gomes Dos Santos) 0:1; 26. Mühlemann 0:2. 30. 1:2. 30:17 2:2. 32. 3:2. 38:50 Mühlemann(J.Burkhalter) 3:3.
Mobulu Futsal UNI Bern: Lötscher; J.Tschan, Kaelin, Giger, Probst; Imesch, Mühlemann, Gomes Dos Santos, J.Burkhalter.